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Veranstaltungen 2007


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Badische Zeitung vom Montag, 26. September 2005 Drucken
Aus der Region frisch auf den Tisch 
Tafel des Genusses
Tafel des Genusses

200 Meter lang war die „Tafel des Genusses“ in der Lange Straße / Tausende Besucher kamen zum Fest der Lebensqualität

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Von Gerda Oswald

Waldkirch. 200 Meter lang war die Tischreihe und 420 Sitzplätze gab es am gestrigen Sonntag mitten auf der Lange Straße. 300 Meter roter Stoff wurden für Dekorationszwecke verarbeitet und sieben Stunden lang konnten regionale Produkte von Apfelsaft bis Zwiebelkuchen gekostet werden. Doch das sind nur Zahlen, die nicht die wunderbare Atmosphäre und die leiblichen und geistigen Genüsse bei der „Tafel des Genusses“ wiedergeben können.

Gerade wenn man etwas früher am Vormittag kam, dann war der Blick noch frei auf die lange Tischreihe inmitten der sonst lebhaft befahrenen Lange Straße im Herzen von Waldkirch. Sehr sorgfältig, liebevoll und stilsicher fiel die Dekoration mit roten Tischdecken, Silberdrähten und Silberbesteck sofort auf. Schaufensterpuppen mit Bedienungsschürzen bildeten Anfang und Ende der Genusstafel. Jaquline Messmer-Ehret, Alexa Fehrle, Angela Wernet und Anette Schützler verdienen dafür einfach ein „dickes Lob“, denn ein schönes Ambiente trägt positiv zum Genießen und Erleben bei.

Um elf Uhr konnte Bürgermeister und „Vater der Idee“ Richard Leibinger bereits zahlreiche Gäste begrüßen, die zuvor mit Musik von der „Sax Connection“ der Waldkircher Musikschule unterhalten wurden. Leibinger erinnerte an den Leitbildprozess, der 1999 als bürgerschaftlicher Prozess begonnen hatte und in verschiedene Felder und Ziele gegliedert war. Seit etwa einem Jahr gibt es nun das Kompetenzteam „Lebensqualität durch Nähe“, das sich der Förderung regionaler Kreisläufe verschrieben hat und unter Federführung von Bernhard Steinhart diesen Sonntag organisiert hatte. „In Zeiten der Globalisierung wird die regionale Identität immer wichtiger und muss weiter gestärkt werden“, so der Bürgermeister, der an die hervorragende Gastronomie und die Wochenmärkte auf dem Marktplatz und in Kollnau erinnerte, die eindrucksvoll die breite Palette und Qualität der regionalen Produkte aufzeigen. Diese Vorteile gelte es künftig noch mehr hervorzuheben, damit die Einheimischen und die Feriengäste sich in der Raumschaft wohl fühlen.

Zur Mittagszeit überzeugten die so gelobten Produkte die Gäste ganz schnell. Sechs namhafte Gastronomiebetriebe hatten ihre Küche auf die Lange Straße verlegt und ein Ehepaar aus Gundelfingen hatte gleich beim „Silberkönig“ aus Bleibach das leckere Süppchen aus Muskatkürbis mit gerösteten Sonnenblumenkernen und Rauchschinken gegessen. Nur wenige Schritte weiter entdeckten sie dann das geräucherte Filet von Forellen beim „Altersbach“, das sie mit einem trockenen Chardonnay, Spätlese, des Weingutes Nopper aus Buchholz genossen. „Mehr schaffen wir leider nicht“, waren sie regelrecht enttäuscht, als sie sahen, dass die „Tafel des Genusses“ auch nach dem Marktplatz in Richtung Post noch mehr zu bieten hatte. Steinpilzrahmsuppe beim „Scheffelhof“, Lachsschnitte auf Tomatenrahmnudeln beim „Storchen“, Spinatroulade beim vegetarischen Partyservice Wöhrle, Rehgulasch beim „Bayersepple“, ein fruchtiger Riesling beim Weingut Moosmann…

Die beiden nahmen es mit Humor und kauften noch Rapsöl, Apfel-Holundersaft aus Elzach und Äpfel aus biologischem Anbau in Denzlingen. Gegenüber hatte die Kollnauer Ortsgruppe des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands ihren Stand mit Bauernwürsten, Käse, Marmelade, Bauernbrot, Schnaps und vielem mehr aufgebaut. Konventionelle Landwirtschaften vertragen sich bestens mit ökologischem Anbau. Die Konkurrenz wurde nicht gesucht, sondern jeder warb für seinen Kundenkreis.

„Das ist eine gute Möglichkeit unsere Produkte und die Landwirtschaft vorzustellen und mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen“, fand Landwirt Ernst Baier. Auch Franz Wernet vom „Müllerhof“ in Suggental bot Obst und Gemüse und viele leuchtend-orangefarbenen Kürbisse an.

„Die Gastronomiebetriebe des Zweitälerlandes brauchen sich nicht zu verstecken. Wir fanden die Idee ausgesprochen gut“, lobte die Juniorchefin Patrizia Birmelin vom „Silberkönig“ in Bleibach die Genusstafel der Waldkircher. Zur geistigen Sättigung trugen mehrere Informationsstände und vor allem auch der Vortrag von Stadtbauamtsleiter Detlev Kulse bei. Er zeigte Wege zur Erarbeitung einer eigenständigen Stadtidentität auf. Waldkirch befinde sich gegenüber anderen Städten in einer Konkurrenzsituation um die Gunst der Menschen beim Standort Wohnung oder Arbeit, als Ort der Erholung oder Gewerbestandort.

Die Bürger selbst müssten sich vermehrt mit ihrer Stadt identifizieren, sie als Heimat wahrnehmen und bereit sein sich dafür zu engagieren. Es gelte ein geschärftes Profil für Waldkirch zu erarbeiten, Waldkirch zur „Marke“ weiterentwickeln. Dies könne nur von einer breiten Basis geschultert werden, müsse von unten nach oben getragen, mitentwickelt und dann auch tatsächlich gelebt werden. Die Ziele seien hoch gesteckt: Waldkirch könnte als Synonym aufgebaut werden. So wie München das Oktoberfest, Paris die Stadt der Liebe und Rio Karneval bedeuten.

Waldkirch, Stadt der Lebensqualität? Waldkirch, Stadt des Genusses oder aus Waldkirch frisch auf den Tisch? Jedenfalls war es gestern ein gelungener und genussvoller Tag in Waldkirch.

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