Die guten Tröpfle vom Buchholzer RebbergBereich Breisgau von Gerda Oswald Dort, wo die Elz aus einem der schönsten Flusstäler des südwestlichen Schwarzwalds in die Rheinebene eintritt, liegt das Weindorf Buchholz. Rund 12 Kilometer nördlich von Freiburg und Ortsteil der Heimat der Orgeln, der Stadt Waldkirch. Der Buchholzer Rebberg gehört zur Vorbergzone des Schwarzwalds. Dunkle Urgesteinsböden, aus Gneis entstanden, prägen die Weine. Schon nach 30 Zentimetern trifft man auf den Fels, der ähnlich einem Kachelofen lang anhaltende Wärme abstrahlt. Diese Gneis-Verwitterungsböden gibt es auf einem kleinen Gebiet zwischen Buchholz, Glottertal und der Hochburg bei Emmendingen. Die steilen Südhänge fordern den Buchholzer Winzern viel Handarbeit ab, doch dafür schenkt die Natur dem Genießer charakterstarke Weine. Buchholz ist ein typisches Burgundergebiet. Der reife, gehaltvolle Burgunder macht rund 70 Prozent des Gesamtanbaus aus. Die Urgesteinsböden geben auch dem Riesling eine ganz besonders schön schmeckbare, feinfruchtige Note. Das Weingut Moosmann gehört zu den größten Weingütern im Ort. Und Siegfried Moosmann und sein Sohn Georg sind seit 1994 bereits zehn Mal mit dem besten Betriebsergebnis bei der badischen Weinprämierung des Weinlandes Breisgau ausgezeichnet worden. Neun mal gar in Folge. Zwei Mal gab es bei der aktuellen Prämierung Gold-extra, 25 Gold- und eine Silbermedaille. Vielleicht noch höher sind die Goldmedaille und zwei Mal sehr gut beim internationalen Weinpreis „Mundus vini“ zu bewerten. Kellermeister und Weinbautechniker Georg Moosmann (33) sieht für sich eine persönliche Perspektive beim Weinbau. Für Vater Siegfried (57) war es 1986 entscheidend, dass seine Familie sich mit dafür aussprach von der Landwirtschaft „umzusteigen“. Tochter Andrea war 1993/94 Badische Weinprinzessin. Tochter Michaela (1998/99) Breisgauer Weinprinzessinnen und danach amtierte Michaela Moosmann sogar als 50. Badische Weinkönigin für ein weiteres Jahr als Weinhoheit. Beide Töchter helfen heute noch im Weingut mit. „Die Familie ist die Basis unseres Erfolgs“, sagt Siegfried Moosmann. Drei Generationen würden zusammen wirken und sich mit ihren Fähigkeiten und Kenntnissen ergänzen. Das „junge“ Weingut Moosmann hat sich mit viel Fleiß und Können in die Spitzenklasse hochgearbeitet.
Ebenfalls seit 1986 gibt es das Weingut Hinn. Michael Hinn (43) stammt aus einer alteingesessenen Buchholzer Familie, die schon vor über 130 Jahren Landwirtschaft und etwas Reben hatten. Als um das Jahr 1830 das Gemeindevermögen am Buchholzer Rebberg an die Bürger verteilt wurde, erhielten seinen Vorfahren ebenfalls ihren Anteil. „Viele Jahrzehnte wurden jedoch Erdbeeren und Pfirsiche angebaut“, erzählt Hinn. Erst als der diplomierte Weinbauer und Oenologe sein Studium beendet hatte, wurde der Weinanbau massiv verstärkt. Ein Hofladen gab es schon immer auf dem Anwesen, doch erst seit dem Jahr 2001 eine gemütliche „Straußi“. Ehefrau Edeltraud leitet den Gastronomiebereich und ihre selber gemachten Schnitzel mit „Brägele“, geadelt mit einem „guten Tröpfle“ vom Buchholzer Rebberg schmecken einfach gerade so wie bei der Mutter daheim. Das dürfte zumindest eine plausible Erklärung dafür sein, dass in relativ kurzer Zeit die Straußi einen so enormen Besucherzulauf verzeichnet. Michael Hinn leitet den Bereich Breisgau und ist auch der Geschäftsführer der Weinland Breisgau GmbH. Seine Bestrebungen gelten dem hochwertigen Wein aus dem Weinland Breisgau. Er möchte sie vermehrt in das Bewusstsein der Menschen lenken. Die Winzergenossenschaft Buchholz/Sexau hat aktuell 85 Mitgliedsbetriebe, die 32 Hektar Reben bewirtschaften. Auch die WG hat einen Burgunderanteil von über 60 Prozent. Vor rund 40 Jahren war es Kult im Gashaus „Löwen“ in Buchholz ein Viertele Weißherbst zu trinken. Bis in die Siebziger galt der inhaltsstarke Rose als typisches Buchholzer Tröpfle. „Mit dem trocken ausgebauten, kräftigen Grauburgunder erlebt der Ruländer wieder eine Renaissance“, beobachtet Bernhard Reichenbach, Vorsitzender der WG. Bei den Gebietsweinprämierungen ist die WG Buchholz/Sexau immer vorne mit dabei. Im vergangenen Jahr gab es vier Gold- und zwei Silbermedaillen. Einmal gar den begehrten Ehrenpreis als bester Betrieb des Breisgaus. Viel Erfolg hat die WG auch mit ihren Sekten. Der „Kolibri“ mit dem Kunstetikett von Hans Wahl ist ein frischer Frühlings- und Sommergenuss. Als Grundwein dient ein fruchtiger, leicht mit Muskat hinterlegter Kerner. Nur 3.000 Flaschen werden jedes Jahr davon abgefüllt und der lebendige Prickelgenuss ist auf dem besten Wege wieder Kultcharakter zu bekommen. Aus den Steillagen der Sonnhalde stammen auch die Trauben für den brut ausgebauten Sekt aus Weißem Burgunder. Rund ein Jahr reifte der Sekt auf dem Hefelager bevor er durch das traditionelle Flaschengärungsverfahren den letzten Schliff erhielt. Das Ergebnis der Mühe ist ein feinperliger und eleganter Sekt mit einer dezent im Hintergrund spielenden Säure von sechs Gramm pro Liter. Und so viel Können wurde dann auch prompt belohnt: Großer DLG-Preis von insgesamt 654 Mitbewerbern in Deutschland im Jahr 1996. Nach all den Zahlen darf man jedoch nicht vergessen, dass das Weindorf Buchholz eine Genussreise wert ist. Vielleicht zur Weinblüte Anfang Juni oder zu einem romantischen Spaziergang im Buchholzer Rebberg mit Sicht zur Burgruine Hochburg, nach Freiburg oder zum Kandel-Massiv mit ihren Drachenfliegern gegenüber. |